Beobachtungsstationen

"Zehn Jahre Beobachtungsstationen und Ruhezonen am Chiemsee" - Festveranstaltung in Bernau und Übersee (mit Fotostrecke)

Quelle: Chiemseeagenda / 15.10.2015

In einer Festveranstaltung am 14. Oktober 2015 mit ca. 100 Gästen blickte der Abwasser- und Umweltverband Chiemsee auf das zehnjährige Bestehen der Ruhezonen und Beobachtungsstationen am Chiemsee zurück. Das Jahr 2005 war "eine Sternstunde für den Umweltverband", so Josef Mayer, Verbandsvorsitzender, in seiner Festansprache. Nach jahrelangen Vorbereitungen und Verhandlungen erließ die Regierung von Oberbayern im Frühjahr 2005 die "Verordnung zum Schutz der Ruhezonen am Chiemsee", die für die dringend notwendige Ungestörtheit von Jungfischen, schilfbrütenden Wasservögeln und dem stark geschwundenen Wasserschilf sorgen sollte. Damals unter viel Gegenwind entstanden, sind die Ruhezonen heute selbstverständlicher Bestandteil der schützenswerten Gebiete am Chiemsee und Vorbild für weitere bayerische Seen.

Es blieb aber nicht bei der Umsetzung dieser Naturschutzmaßnahme. Nach dem Motto "Lenken und Leiten" entstand ein gemeinsames Netzwerk an Naturbeobachtungsstationen, das von allen Chiemseegemeinden und dem Förderprogramm "Region aktiv" des Bundeslandwirtschaftsministeriums finanziert wurde. Der Zeitplan bis Ende 2005 war mehr als knapp, wie Sepp Mayer betonte - denn binnen eines Jahres musste vom Förderantrag bis zur naturschutzrechtlichen Genehmigung, vom Bauplan bis zum Gemeinderatsbeschluss, von der sensiblen Standortsuche bis zur Ausschreibung und Abrechnung mit der Förderstelle alles abgewickelt sein - einschließlich der Ausnahmegenehmigungen für den Bau des Turms in der Hirschauer Bucht durch die Obere Naturschutzbehörde und dem Bau des Turms im Landschaftsschutzgebiet Irschener Winkel. Roland Weid, Vertreter der Regierung von Oberbayern und Abteilungsleiter der Oberen Naturschutzbehörde, sprach dem Verband für den damaligen Parforceritt bei der Projektabwicklung ein Kompliment aus, vor allem aber für die am Chiemsee gelungene Verbindung von Naturschutz, Naturerlebnis und Tourismus. 20 natur- und heimatkundliche Informationstafeln, erstellt vom Planungsbüro Wolfgang Schuardt, begleiten die Beobachtungsstationen; für die Ausarbeitung der Inhalte wurde 2005 u.a. ein eigener Arbeitskreis mit den Heimatpflegern gebildet.  

Christina Pfaffinger und Stephan Semmelmayr, die Vertreter beider Tourismusverbände, stellten sich klar hinter das Ziel des Abwasser- und Umweltverbandes, im Naturschutz glaubwürdig zu handeln, um unsere Naturschätze "enkeltauglich" hinterlassen zu können und kein "Greenwashing" zu betreiben. Wie Frau Pfaffinger erläuterte, steht bei 90% der Chiemseegäste das Motiv "Naturgenuss" an vorderster Stelle.

Dr. Christoph Goppel beließ es nicht dabei, die Bedeutung der Umweltbildung zu betonen, sondern appellierte an jeden Einzelnen - ob Bürgermeister oder Privatperson - im persönlichen Lebensstil alles zu tun, um dem Klimawandel wie auch dem gravierenden Artensterben entgegenzuwirken. "Aus Betroffenen Beteiligte machen, aus Beteiligten Begeisterte" war seine Empfehlung, um breite Kreise der Bevölkerung, auch Flüchtlinge aus anderen Kulturen, in die Umweltbildung einzubinden. Marc Nitschke, Bürgermeister von Übersee, legte den Gästen die neue Idee eines oberbayerischen "Naturparks Chiemsee-Chiemgau" ans Herz und verwies auf die vielen bestehenden Bausteine am Chiemsee. Der Gebietsbetreuer Dirk Alfermann erläuterte die erfolgreiche Kooperation der Netzwerkpartner in der "Chiemgauer Umweltbildung".

Die zahlreichen naturbegeisterten Gäste aus unterschiedlichen Organisationen, von den Vogel- und Naturführern bis zu Partnern wie den Wasserwirtschaftsämtern oder den Naturschutzbehörden, von den Chiemsee-Touristikern bis zur Schifffahrt und zur Wasserschutzpolizei, von Förster Ulrich Guggenberger aus dem Netzwerk Umweltbildung bis hin zu Bürgermeistern aus Nachbarsregionen und Gemeinderäten zeigten, welch ein vielfältiges Netzwerk an Partnern den Grundgedanken des AUV für eine nachhaltige Entwicklung in der Region bereits mitträgt, praktisch umsetzt und fördert. Nach der Vogelbeobachtung am Turm "Irschener Winkel" in Bernau-Felden konnten sich die Gäste am Naturpavillon in Übersee, der durch jährlich wechselnde Ausstellungen von Martina Mitterer viele Umweltbildungsangebote vorhält, über Biber, Fledermäuse und Wasserlebewesen an den aufgebauten Stationen der Chiemseenaturführer praktisch informieren.

Anlässlich des Jubiläums gab der Abwasser- und Umweltverband die neue Broschüre "Naturerlebnis Chiemsee" heraus, die die vielfältigen Aktivitäten der Gemeinden für Naturerlebnis und Umweltbildung widerspiegelt - das achte Heft eines überaus engagierten ehrenamtlichen Redaktionsteams der Chiemseeagenda. Es ist in den Touristinfos der Chiemseegemeinden für 2 Euro erhältlich.

Der Programmablauf als PDF-Datei zum Download.